Frans de Waal | Der Affe und der Sushimeister

Das kulturelle Leben der Tiere

dtv 2005

In seinem Buch über das kulturelle Leben der Tiere räumt Frans de Waal mit einem tief verwurzelten Dualismus der westlichen Denkweise auf. Mir kam es schon als Kind seltsam vor, dass Kultur und Natur zwei völlig voneinander getrennte Dinge sein sollen, dass nur Menschen eine Kultur besitzen und dass es eine klare Trennlinie zwischen Mensch und Tier geben muss. Das stimmte so gar nicht mit meinen eigenen Lebenserfahrungen mit Tieren und Menschen überein. Ich konnte nur leider nie so gut argumentieren wie Frans de Waal in diesem Buch.

Frans de Waal holt dafür weit aus. Über die Geschichte der Ethologie bis zu den neuesten Forschungsergebnissen mit Abstechern in die Philosophie, Soziologie und Psychotherapie. Dabei wirkt das Buch nie ausschweifend, sondern umfassend, klar strukturiert und sehr informativ.

Nach eigener Aussage wollte Frans de Waal ein Buch über die „jüngsten Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Tierkultur“ (S. 370) schreiben. Das daraus ein Buch geworden ist, dass sich intensiv mit unserer Sichtweise auf unser Menschsein und unser Verhältnis zu unserer belebten Umwelt beschäftigt kann ich nur begrüßen. Auch wenn wir uns nicht primär für Primatologie interessieren, hat das Buch einen unmittelbaren Bezug zu unserem täglichen Leben.

Ich kann Frans de Waal nur voll und ganz zustimmen wenn er abschließend zusammen fasst: „Es ist an der Zeit, die menschliche Spezies vor dem Hintergrund ihrer zahllosen Gemeinsamkeiten mit anderen Lebensformen zu definieren.“(S. 332) Es geht nicht darum menschliche kulturelle Leistungen geringer zu schätzen, sondern darum unserem Menschsein einen vernünftigen Rahmen zu geben.

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